Musicalische Seelenlust
— Tobias Michael

 18,00

Im Jahr 2015 erschien die Debüt-CD „MUSICALISCHE SEELENLUST“. Die Sammlung geistlicher Madrigale von Thomaskantor Tobias Michael (1592-1657) wurde auf dem Label Raumklang Records veröffentlicht und wurde von der internationalen Kritik begeistert aufgenommen.

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Musicalische Seelenlust – Tobias Michael (1592 – 1657)

Die Position des Thomaskantors in Leipzig war im 17. und 18. Jahrhundert eine der angesehensten in Mitteldeutschland. Sie wurde von den angesehensten Komponisten ihrer Zeit bekleidet. Es ist ein wenig verwunderlich, dass ihrem kompositorischen Schaffen heute wenig Beachtung geschenkt wird, mit Ausnahme von Johann Sebastian Bach. Unter seinen Vorgängern ist Johann Hermann Schein wohl der bekannteste. Johann Kuhnau, der unmittelbare Vorgänger Bachs, ist sicherlich ein bekannter Name, aber wenig von seiner Musik wird aufgeführt oder aufgenommen, mit Ausnahme seiner Biblischen Sonaten, einer Sammlung von Stücken für Tasteninstrumente. Seinen Vorgängern Johann Schelle (1677-1701) und Sebastian Knüpfer (1657-1676) ergeht es nicht viel besser. Die Debüt-CD von Ensemble Polyharmonique enthält Musik des am wenigsten bekannten Thomaskantors des 17. Jahrhunderts: Tobias Michael.

Tobias war der zweite Sohn von Rogier Michael (ca. 1552-1619?), der aus Bergen op Zoom in den Niederlanden stammte, in der Wiener Hofkapelle sang und von 1587 bis zu seinem Tod als Hofkapellmeister in Dresden wirkte. Tobias erhielt den ersten Musikunterricht von seinem Vater und wurde 1601 Mitglied der Dresdner Hofkapelle. 1609 wurde er in Schulpforta, der kurfürstlichen Schule bei Naumburg, aufgenommen, die sich auf Musik und Geisteswissenschaften spezialisierte. Von 1613 bis 1618 studierte er Philosophie und Theologie an der Universität Wittenberg. Im Jahr 1619 beriefen ihn die Grafen von Schwarzburg und Hohenstein zum Kapellmeister der Neuen Kirche in Sondershausen (Thüringen). Im Jahr 1630 starb Johann Hermann Schein und Michael bewarb sich um die Stelle des Thomaskantors. Die Tatsache, dass er einstimmig gewählt wurde, zeugt von der hohen Wertschätzung, die ihm entgegengebracht wurde. Michael war in der Lage, das Niveau zu heben und dann zu halten, trotz der Bedrängnisse durch den Dreißigjährigen Krieg. Es ist ein Indiz für den guten Ruf des Chores, dass Heinrich Schütz 1648 seine Geistliche Chor-Music Leipzig und seinem „berühmten Chor von solchem Ansehen“ widmete. Michaels kompositorisches Schaffen ist nicht sehr umfangreich, auch wenn man bedenkt, dass ein Teil davon verloren gegangen ist. Es umfasst eine Reihe von Gelegenheitskompositionen und einige Choräle und geistliche Lieder. Die vorliegende CD enthält Stücke aus den beiden Bänden, die Michael zwischen 1634 und 1637 unter dem Titel Musicalische Seelenlust veröffentlichte. Dies ist der wichtigste Teil seines Oeuvres. Der erste Band umfasst 30 geistliche Madrigale, die starke Ähnlichkeit mit den bereits erwähnten Israelis Brünlein von Schein aufweisen. Sie haben die gleiche Besetzung: fünf Stimmen – SSATB – und Basso continuo. Die Texte der Stücke entstammen der Bibel, meist aus dem Alten Testament. Wie Schein’s geistliche Madrigale zeigen sie den Einfluss des italienischen Stils – Welch eine Wiederentdeckung!

Cast

Ensemble Polyharmonique
Magdalene Harer – soprano
Griet de Geyter – soprano
Alexander Schneider – alto & primus inter pares
Johannes Gaubitz – tenore
Hans Jörg Mammel – tenore
Matthias Lutze – basso

Juliane Laake – violone
Magnus Andersson – Tiorba
Klaus Eichhorn – organo di legno

Rezensionen


„…Unter der Leitung des Altisten Alexander Schneider reizt das Ensemble Polyharmonique die wechselnden Affekte der Musik aus, ohne in Manierismus zu verfallen. Alles strömt organisch und wächst aus dem natürlichen Klang der Stimme. Dabei finden Sänger und Instrumentalisten eine Balance aus Sorgfalt, Transparenz und der schieren Lust am Klang – und erweisen sich damit als ideale Interpreten dieser Musik, die mit ihrer Mischung aus Sinnlichkeit und geistiger Tiefe wahrhaft beglückt…“

Neue Zürich Zeitung slr. 18.3.2016 über Tobias Michael: «Musicalische Seelenlust» 

„…Tobias Michael has found the ideal advocates in the Ensemble Polyharmonique. It can hold its own with the best in the business. It is a group of five outstanding singers who have the perfect voices for this repertoire. The blending and the intonation are immaculate and so is the delivery. The text is the most important element in Michael’s sacred madrigals and that makes it essential that it is always clearly understandable. That is not enough: some words are especially important and these are effectively emphasized. The individual members are equally convincing in the solo concertos. The expressive features of Michael’s oeuvre are delivered with great intensity by these artists. This is one of the finest and most interesting discs I have heard lately. I very much hope that the Ensemble Polyharmonique will have the opportunity to further explore the oeuvre of Tobias Michael…”

Johan van Veen 2016 in http://www.musica-dei-donum.org/cd_reviews/Raumklang_RK3403.html ÜBER TOBIAS MICHAEL: «MUSICALISCHE SEELENLUST» 

„Como en el caso de Michael, nada conocía del Ensemble Polyharmonique, grupo germano-belga del que es director el contratenor Alexander Schneider (miembro de formaciones corales tan prestigiosas como el Collegium Vocale Gent, Cantus Cölln, Vox Luminis o el Ensemble Pygmalion). Discúlpeseme esta ignorancia, hasta cierto punto comprensible si tenemos en cuenta que es esta su presentación discográfica. No obstante, viendo el elenco habitual de colaboradores, es lógica la magnífica impresión que causa en esta grabación, en la cual han intervenido Magdalene Harer y Griet De Geyter (sopranos), el propio Schneider (alto), el omnipresente Hans Jörg Mammel (tenor), Matthias Lutz (bajo) y los instrumentistas Julianne Laake (viola da gamba), Magnus Andersson (tiorba) y Klaus Eichhorn (órgano). Un debut impactante, no sólo por darnos a conocer al eslabón perdido de la Thomaskirche, sino por la belleza de la música y por la calidad de la interpretación.“

 El arte dela fuga 11/2015 in http://www.elartedelafuga.com/wp/tobias-michael-el-eslabon-perdido/ ÜBER TOBIAS MICHAEL: «MUSICALISCHE SEELENLUST» 

„…Les chanteurs parviennent, avec une certaine aisance, à trouver le juste équilibre entre intériorité et expressivité et leur ferveur est communicative pour qui accepte de les suivre sur le chemin qu’ils ouvrent, tandis que le continuo (viole de gambe, théorbe et orgue positif) participe lui aussi pleinement à cet élan par son soutien réactif mais jamais intrusif ou indiscret…“ …“Cette résurrection du Musicalische Seelenlust de Tobias Michael est donc un disque important qui nous permet, dans d’excellentes conditions artistiques, d’affiner nos connaissances sur le legs des cantors de Leipzig et de découvrir un compositeur tout à fait intéressant.“

Jean-Christophe Pucek  13. 12. 2015  in www.wunderkammern.fr ÜBER TOBIAS MICHAEL: «MUSICALISCHE SEELENLUST» 

„…Das Ensemble Polyharmonique vereint fünf hervorragende Sänger und eine dreiköpfige Continuogruppe zu einem homogenen Ganzen, geleitet vom Altus Alexander Schneider. Alle Interpreten sind eng mit der Musik des 17. Jahrhunderts vertraut. Das ist vom ersten Takt der CD an deutlich zu spüren: In der schlanken Tongebung, im organischen Fluss des Atems und in der liebevollen Sorgfalt, mit der sie jede Silbe formen. Der Ausdruck der Musik erwächst aus der Botschaft der Texte – wie im ersten Stück, das mit den Worten des Apostels Paulus die Hoffnung auf eine unsichtbare Kraft Gottes beschwört: Was sichtbar ist, ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, ist ewig…“

…“Die fünf Sänger des Ensembles Polyharmonique und ihre instrumentalen Mitstreiter reizen die wechselnden Affekte der Musik aus, ohne dass es je maniriert klingen würde. Alles strömt ganz organisch und erwächst aus dem natürlichen Klang der Stimme. Sicherlich auch ein Verdienst von Alexander Schneider, der die Aufnahme aus der Mitte der Gruppe heraus leitet. Als Altus denkt und empfindet er die Musik naturgemäß selbst stark von der Stimme und vom Text her…“

Marcus Stäbler in WDR TonArt 10.12.2015 ÜBER TOBIAS MICHAEL: «MUSICALISCHE SEELENLUST» 

„…Im Ensemble klingt das wunderbar harmonisch und edel gerundet, ausgeglichen, mit intensiver Präsenz aller Register. Es wird beglückend intoniert, voller fein abgestimmter Harmonie. Die Tempi wählt Schneider variantenreich, immer wieder durchaus frisch und bewegt, jedenfalls dem affektiven Duktus der Musik entsprechend. Es ist textgezeugter Gesang auf hohem Niveau zu erleben, fast idealiter in der Selbstverständlichkeit der Klangrede, in den Konzerten auch mit einer beachtlich virtuosen Geläufigkeit. Hier entfaltet sich tatsächlich eminentes solistisches Potenzial, stellvertretend seien die formidablen Soli der beiden Soprane und des Bassisten genannt: Ebenso wie bei Schneider und Mammel ist das einfach technisch hervorragend, stimmschön sich verströmend. Alle Vokalisten überzeugen mit einer registertypischen Stimmcharakteristik und einiger Individualität – die freilich, auch das ist hohe Kunst, immer wieder beglückend in den Ensembles der geistlichen Madrigale aufgeht…“

Klassik.com, 13.10.2015 (Matthias Lange) ÜBER TOBIAS MICHAEL: «MUSICALISCHE SEELENLUST»